Photovoltaik Angebote richtig lesen und verstehen

SOLAR-professionell hat einen interessanten Artikel zu einem scheinbar langweiligen Thema veröffentlicht: Photovoltaik-Angebote richtig lesen und verstehen! Acht Punkte sind dort genannt, auf die Kaufwillige bei der geplanten Investition in eine Photovoltaikanlage im Blick haben sollten. Wir haben den Artikel für Sie auf unsere Seite geholt, weil wir der Meinung sind, dass Angebote so erstellt werden sollten, dass Kundinnen und Kunden verstehen, was sie kaufen.

Photovoltaikangebot

Photovoltaikangebote sollen Laien eine genaue Vorstellung ihres zukünftigen Solarstromgenerators vermitteln ©PantherMedia

Mit der Photovoltaik ist das so:

Viele Menschen kaufen in ihrem Leben nur eine Photovoltaikanlage. Die wird auf dem Eigenheim, auf ihrem Gewerbe oder landwirtschaftlichen Betrieb installiert. Sie haben also anders als bei einem Auto keine eigenen Erfahrungen mit der Technik und müssen sich auf das verlassen, was ihnen das Unternehmen ihres Vertrauens verspricht. Ein weiterer Punkt ist, dass jede neu installierte Anlage Strom liefert und das über viele Jahre. Es gibt allerdings Qualitätsunterschiede bei den Komponenten, bei der Abstimmung von Verbrauch und Anlagenleistung und beim Service. Der erste Schritt zu einer guten Photovoltaikanlage ist ein professionelles Angebot.  Aber wie sieht ein solches professionelles Angebot aus und wie kann jemand, der keine Erfahrung mit Photovoltaikanlagen hat feststellen, ob ein Angebot gut oder schlecht ist? Ganz wichtig dabei ist: Wer sich nur auf den Preis konzentriert kann gewaltig auf die Nase fallen.

Sie müssen kein Technikprofi oder PV-Nerd sein um Photovoltaik-Angebote richtig zu lesen und zu verstehen und die Guten von den Schlechten trennen zu können. Hier lesen Sie, worauf sie achten müssen.

Die Sache mit dem „Oder gleichwertig“

Wer zwischen 2004 und 2013 ein Photovoltaikanlage installieren ließ, erinnert sich vielleicht noch, dass damals das größte Problem in der Komponentenbeschaffung bestand. Dementsprechend offen wurden die Angebote gestaltet und es gab keine Komponente, bei der sich Anbieter nicht Optionen für Alternativprodukte offenhielten. Installiert wurde, was gerade zu haben war. Hauptsache war seinerzeit Anlagen im richtigen Zeitfenster zu installieren und freizuschalten, dass sie noch vor der nächsten Förderkürzung ans Netz gingen um in den 20 Jahren der staatlich gesicherten EEG möglichst hohe Fördersummen zu sammeln.

Heute sind die Förderungen niedrig und Anlagen werden für den Eigenverbrauch installiert. Es sind Kraftwerke, die einen Standort Jahrzehnte mit grünem Strom versorgen und den Zukauf von Netzstrom und damit die Stromrechnung minimieren sollen. Dementsprechend wichtig sind die richtigen Komponenten, die exakt auf die Anforderungen am Standort abgestimmt sind. Betreiberinnen und Betreiber in spe können heute erwarten, dass alle Komponenten einer Photovoltaikanlage, vom Wechselrichter über Kabel, Module bis zu Unterkonstruktion und Kommunikation klar im Angebot benannt werden und auch wie beschrieben in ihrer Photovoltaikanlage installiert werden.

Was zeichnet ein gutes Photovoltaikangebot aus?

Die Antwort auf diese Frage lautet „Transparenz“. Ein gutes Photovoltaikangebot beschreibt für Photovoltaik-Laien nachvollziehbar, wofür sie ihr Geld ausgeben. Kunden und Kundinnen erhalten mit ihrem Photovoltaikangebot im Idealfall eine exakte Vorstellung von ihrem zukünftigen Sonnenstromgenerator. Die startet am besten mit einem Bild, das die neue Anlage auf dem Gebäude zeigt.

Die acht Elemente des guten Angebots

Bild – Technik – Arbeitssicherheit – Stromspeicher – Netzanschluss – Nebenarbeiten  – Abnahme, Einweisung, Dokumentation:

1. Das Bild der neuen Photovoltaikanlage

Die Visualisierung der Gesamtanlage. Sie sollten vor der Installation wissen, wie Ihre zukünftige Solarstromerzeugung das Gesamtbild von Gebäude und Umgebung beeinflussen wird. Dazu nutzen Installationsunternehmen heute Fotos von Gebäuden, auf die die Module perspektivisch korrekt ausgerichtet platziert werden, sodass Kunden eine realistische Vorstellung von der Wirkung der fertigen Anlage erhalten. Das ist der optische Teil, es folgt die Technik.

2. Eindeutige Aussagen zu Technik

Das Photovoltaikangebot sollte eine ausführliche technische Beschreibung aller Komponenten liefern. Photovoltaikmodule werden mit Leistung, Hersteller, Design und Typenbezeichnung genannt. Die Unterkonstruktion wird mit Marke, Wind- und Schneelasten, ob In-, Aufdach- oder Einlegsystem beschrieben und ob es sich um einen stabilen Kreuzverbund oder eine einfache Doppelschienenverlegung handelt.

Kabel, Wechselrichter, Kommunikation, Blitzschutz und Erdung des Generatorsystems gehören ebenfalls mit exakter Beschreibung ins Angebot. Fehlen diese Angaben können Angebote nicht verglichen werden.

3. Passen Sie auf, dass andere nicht auf die Nase fallen!

Ganz wichtig ist das Thema Arbeitssicherheit, denn Bauherrinnen und Bauherren sind für die Baustellenabsicherung genauso verantwortlich wie das ausführende Installationsunternehmen.  Alle Beteiligten haften, wenn bei der Installation ein Unfall passiert oder zahlen Strafe, wenn Verstöße zur Anzeige gebracht werden. Deshalb ist in guten Photovoltaikangeboten eine klare Beschreibung zu den Punkten Absturzsicherungen, Gerüst sowie Arbeitsmittel zum Materialtransport wie Teleskoplader, Arbeitsbühne und Schrägaufzug zu finden. Dann sind Auftraggeber auf der sicheren Seite.

4. Stromspeicher

Batterie Speicher sind ein Thema für sich. Weil sie heute praktisch immer mit einer Photovoltaikanlage angeboten werden trotzdem ein paar Worte dazu.

Ob Sie einen Speicher brauchen, welche Kapazität, mit welcher Leistung und wie viele Phasen hängt vom Verbrauchsprofil am Einsatzort ab. Es gibt durchaus Fälle in denen ein Speicher auch heute keinen Sinn macht. Das sollte mit dem Installationsunternehmen im persönlichen Gespräch geklärt werden. Wenn Sie Interesse an einer Notstromversorgung für den Fall eines Stromausfalls haben, dann sollte diese Funktion im Angebot explizit beschrieben werden, denn nicht jeder Speicher ist in der Lage eine Notstromversorgung zu gewährleisten.

5. Netzanschluss

In der Regel werden Photovoltaikanlagen mit Anschluss an das öffentliche Stromnetz installiert. Das ist für die Energiewende gewünscht, um Überschussstrom in das öffentliche Netz einzuspeisen, ist aber nur in Abstimmung mit dem Netzbetreiber möglich. Im Angebot sollte klar definiert sein, wer welche Aufgaben in der Kommunikation mit dem Netzbetreiber übernimmt. Ein weiterer Punkt ist der Zählerschrank, der für die Photovoltaikanlage zusätzlichen Zähl-, Mess- und Sicherheitseinrichtungen aufnehmen muss. Im Angebot sollte klar beschrieben sein, ob der vorhandene Zählerschrank groß genug ist oder ob er erweitert beziehungsweise komplett erneuert werden muss. Für alle Änderungen gehören klare Angaben ins Angebot, wer die Arbeiten ausführt und mit welche Kosten zu rechnen ist.

6. Nebenarbeiten

Lieferung, Lagerung und Entsorgung von Verpackung mögen wie Kleinkram erscheinen. Wer schon einmal die Installation einer Photovoltaikanlage miterlebt hat, weiß wieviel Kartonage dabei anfällt und dass es sich hierbei nicht um die auf Recyclinghöfen zu entsorgenden „haushaltsübliche“ Mengen handelt.

7. Abnahme, Einweisung, Dokumentation

Nach Installation einer Photovoltaikanlage, egal ob mit oder ohne Speicher, erfolgt die  Abnahme durch Bauherren respektive Bauherrin, eine professionelle Einweisung in den fachgerechten Betrieb der Anlage sowie die Übergabe einer ausführlichen, nach Norm erstellten Anlagendokumentation. Auch diese Positionen gehören in ein gutes Angebot.

8. Darstellung der Wirtschaftlichkeit

In dieser Position werden finanzielle Meilensteine im Leben einer Photovoltaikanlage dargestellt, die aus Ertragsberechnung, Investitionskosten, Eigenverbrauch, Einspeisung und Einspeisevergütung einen „Return of Invest“ errechnen. Die Wirtschaftlichkeit ist ein Blick in die Zukunft auf Basis vorhandener Daten. Eine konservative Herangehensweise ist eine gute Methode, um sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen. Seien Sie alarmiert, wenn Ihnen in dieser Position exorbitante Gewinne oder schnelle Break Even geweissagt werden, zum Beispiel durch unrealistisch hohe jährliche Strompreissteigerungen.

Immer individuell

Je nach Kunde können die einzelnen Punkte im Angebot unterschiedlich intensiv ausgearbeitet sein. Bei Privatkunden, die ein exklusives Gebäude bewohnen, darf die Visualisierung der Gesamtanlage einen größeren Stellenwert einnehmen als bei einer Gewerbefläche oder einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dafür werden bei Unternehmen die Themen Absicherung, Lastprofil, Netzanschluss, Nebenarbeiten sowie die Abstimmung von Verbrauch und Erzeugung einen größeren Bestandteil des Angebotes ausmachen.

Wichtig ist, dass alle Punkte Im Angebot erscheinen und zwar so, dass auch PV-Novizen eine klare und detaillierte Vorstellung von Technik, Leistung und Optik ihres zukünftigen Solarstromkraftwerkes erhalten. Das soll für viele Jahrzehnte möglichst störungsfrei und zuverlässig saubere Energie für den Eigenverbrauch liefern und als Bestandteil der Energiewende einen aktiven Beitrag zum weltweiten Klimaschutz leisten.

Quelle: SOLAR-professionell